Walliser Bote, 10.07.2025
Man kann den Fussball nicht von der Welt abkoppeln, in der er stattfindet. Und wer nach St. Petersburg fliegt, stellt sich nicht nur auf einen Rasen – sondern auch auf eine Seite. Ein Kommentar.

Kann man Sport wirklich von Politik trennen? Schön wär’s. Doch so einfach ist das nicht.
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig. Der Westen hat Russland immer wieder sanktioniert, auch im sportlichen Bereich. Russische Fussballmannschaften sind von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Das ist vielleicht nicht fair gegenüber den Spielern, hat jedoch seine Berechtigung. Wladimir Putin instrumentalisiert den Sport gezielt, um Russland im Ausland als normales Land erscheinen zu lassen. Wer die Isolation Russlands ignoriert und ein Testspiel in St. Petersburg abhält, verleiht dem russischen Sport und damit dem russischen Regime Legitimität.
Dazu kommt, dass St. Petersburg Putins Heimatstadt und Zenit sein Herzensklub ist – das ist kein Zufall, sondern symbolisch. Und Zenit gehört dem russischen Energieriesen Gazprom – ein Staatskonzern, der direkt vom Kreml kontrolliert wird. Zenit ist nicht irgendein Fussballklub. Zenit dient gezielt der «Soft power»-Strategie Putins. Zenit ist ein politisches Aushängeschild.
Finanziell ist das Spiel fragwürdig. Dazu gibt es nichts weiter zu sagen. Sportlich ist das Testspiel vom Mittwoch in St. Petersburg Humbug. Nur zwei Tage später spielen die Sittener in Ayent gegen die Grasshoppers ein weiteres Testspiel. Dazwischen: eine endlose Reise mit Zwischenhalt in der Türkei.
Ob der FC Sion dadurch sportlich leiden wird, ist nicht so eindeutig wie der Fakt, dass er durch seinen Ausflug moralisch angezählt wird. Ja, CC geniesst die mediale Aufmerksamkeit, und so oft hat er etwas ausgefressen oder ausposaunt, nur um in den Schlagzeilen zu stehen. CC ist ein Meister des medialen Spiels.
Dafür wird er gehasst, vor allem von den Deutschschweizer Medien. Die Meldung über das Zenit-Spiel war für alle FC-Sion-Hasser Wasser auf die Mühlen. Und die Walliser, die sind sowieso ein eigenes Volk – wer, wenn nicht der FC Sion, käme auf so eine Schnapsidee? CCs Coolness gegenüber Kritik ist bewundernswert, er ist wohl der letzte Patron, den es in dieser Welt noch gibt. Doch mit dem Russland-Spiel schädigt er nicht nur den Ruf des FC Sion – er brüskiert auch all jene Fans, die Haltung erwarten. Und das mit gutem Grund.
Man kann den Fussball nicht von der Welt abkoppeln, in der er stattfindet. Und wer nach St. Petersburg fliegt, stellt sich nicht nur auf einen Rasen – sondern auch auf eine Seite. Ich wünschte, es wäre anders.
